Der Tropheus

1. Einleitung

Im Folgenden soll hier ein kleiner Einblick über die Gattung Tropheus gegeben werden. Es gibt, was dieses Thema betrifft, mittlerweile empfehlenswerte Literatur, wo man explizit über die Standortvarianten einiges an Informationen erfahren kann. Ich habe aber keine Lust, wieviele andere Leute dieses auf ihrer Homepage machen, irgendwelche Texte und Weisheiten anderer Autoren zu zitieren/kopieren. Es ist viel interessanter, meine langjährigen Erfahrungen in dem Bereich Tropheus hier zu veröffentlichen.

 

2. Historie

Mein aquaristischer Werdegang geht zurück auf meine Schulzeit, als ich das Gymnasium besuchte. In der damaligen Zeit haben mich schon immer Tiere aller Gattungen interessiert. Es war die Zeit der großen Filmemacher wie Heinz Sielmann und dem legendären Bernhard Grzimek. Eines Tages hatte ein Mitschüler von mir ein Aquarium in seinem Keller. Er war so nett und schenkte mir ein 80 x 40 x 40 Aquarium mit Stahlrahmen. Als ich bei meinem Vater in der Garage stöberte, fiel mir ein Topf mit grüner Farbe in die Hände, das Aquarium wurde entrostet und grün lackiert. Es wurden Guppies gezüchtet, Skalare klappten nicht. Sie laichten immer wieder ab, aber betrieben schon damals Anfang der 70iger Jahre keine Brutpflege mehr. Mein Vater schenkte mir dann noch ein großes Aquarium mit ca. 500 Litern, welches ich mit einer guten Bepflanzung zu einem schönen Gesellschaftsbecken gestaltete. Mit 14/15 Jahren hatte ich dann andere Interessen und fing dann als junger Student erstmalig mit einem 100 x 40 x 50 Aquarium an. Kurze Zeit später lernte ich leider ( man nennt es wohl Schicksal ) einige Aquarianer kennen, die sich ausschließlich mit Buntbarschen aus dem Tanganjika- und Malawi-See beschäftigten. Als Student arbeitete ich im Fensterbau (Produktion: Verglasung). Jede Scheibe, ob Isoliergkas oder Einfachverglasung, sicherte ich mir und klebte daraus meine ersten Aquarien. Ich baute mir meinen ersten Aquarienkeller alleine zusammen, wobei mir ein Arbeitskollege, ein gelernter Schreiner, half. Zu der Zeit war ich auch im Münsteraner Aquarien-und Terrarienverein als Redakteur einer kleinen Vereinszeitschrift tätig. Irgendwann kamen Vereinsmitglieder auf mich zu und sagten, dass es doch schön wäre, wenn ich einen Laden eröffnen würde. Gesagt, getan. Am 04.05.1991 ging ich an den Start mit meinem Geschäft Afrika Cichliden Münster (ACM). Ich hatte mein Augenmerk jedoch mehr auf andere Gattungen gerichtet, als auf Tropheus. Diese Gattung galt damals schon als Königsklasse und schwer zu halten. Ich hatte Berührungsängste, diese Fische in meinem Geschäft zu verkaufen. Bis ich eines Tages Kontakt aufnahm zur Firma MAL-TA-VI Zierfischzucht in Hohenahr Erda und meine ersten Tropheus-Zucht Stämme erwarb. Von dem AugenbliCK an, beschäftigte ich mich sehr intensiv mit der Gattung Tropheus. Meine ersten Gruppen waren natürlich Wildfänge: Tropheus Chimba, maswa, mpulungu, kiriza etc. Ich nahm auch Kontakt zur Firma CJ Aquarium auf und wurde dort von Herrn Janicki hervorragend mit Tropheus versorgt. Ich bekam damals die Boxen direkt vom Flughafen und gewöhnte die Tiere selber ein. Ausfälle der Fische waren kaum zu verzeichnen. Die Mortalitätsrate ging gegen null. Ebenfalls behilflich in Sachen Tropheus, denn ich versuchte ja immer meinen Stock an Tieren zu erweitern, war und ist Thomas Lepel, damals Angestellter der Firma Mal-Ta-Vi, heute Geschäftsführer beim größten deutschen Importeur, dem Cichlidenstadl (Helmut Löfflad). Es war gerade dieser Thomas Lepel, der mich immer wieder zwang, sich der Herausforderung zu stellen, auch schwierige Arten zu halten und zu pflegen, wie z. B. tropheus mpimbwe red cheek oder petrochromis trewavasae. Wie gesagt, wir befinden uns im Jahr 1992.

Nachdem ich mein Geschäft verkauft hatte, baute ich mir in meinem Keller eine große Hälterungs-und Zuchtanlage, in der ich ausschließlich Tropheus pflege und züchte. Nachdem man mal immer wieder eine Phase hat, wo man mit dem Hobby aufhören möchte, hat es mich vor geraumer Zeit wieder gepackt, nur noch die Gattung Tropheus und Petrochromis zu pflegen. Diese Gattung entsprechen meinem Naturell. Man kann auch sagen, ich liebe diese Fische. Die Quintessenz aus 20 Jahren Erfahrung mit diesen Fischen ist, man weiß viel zu wenig über diese Fische. Dies fängt bei der Hälterung, dem Futterspektrum an und hört beim Sozialverhalten/Krankheiten auf.

 

3. Futter

Der Tropheus ist kein Vegetarier! Im Gegensatz zur herrschenden Meinung ernährt sich der Tropheus definitiv nicht nur rein pflanzlich. Warum? Er ist ein Aufwuchsfresser. Was bedeutet Aufwuchs? Durch die Sonneneinstrahlung im Tanganjikasee befindet sich auf den Steinen ein Algenrasen. Der Tropheus weidet diese Steine zwecks Nahrungsaufnahme ab. Er hat ein unterständiges Maul, welches ihm hilft, perfekt den Aufwuchs abzuweiden. Der Aufwuchs scheint in erster Linie aus Algen zu bestehen, der eigentliche Nährwert im Aufwuchs besteht aus den darin enthaltenen Kleintiere, wie z.B. Krebstierchen, Insektenlarven, Würmchen und anderen Wirbellosen. So bezieht sich zum Beispiel Dr. Andreas Spreinat, ein Malawi-Experte, auf Zählungen, die ergeben haben, dass sich in einem Quadratmeter Aufwuchs rund 300.000 Wirbellose aufhalten. Das heißt, dass Nahrungspektrum eines Tropheus besteht nicht nur aus ballaststoffreichen Fasern (z.b. Algen ), sondern auch aus proteinreicher Nahrung, wie z.B. kleinen Krebstierchen etc. Insofern war für mich die Fütterung dieser Fische immer wieder ein zentrales Thema, wo sehr oft zwischen den Zeilen gelesen werden muss. Mittlerweile habe ich für mich das Futter-Rundum-Glücklich-Paket erarbeitet. Es besteht für mich aus mehreren Futtersorten verschiedenster Zusammensetzung. Die im Handel erhältlichen Flocken sind rein vegetarisch, mit Proteinen versetzt, z.B. Fischmehl, welches die Grundlage vieler Futtersorten bildet. Die meines Erachtens nach zur Zeit beste Flockenfuttersorte ist die Spirulina-Flocke 36% von Tropical. Ich verfüge jedoch über eine preisliche Alternative, welche aus 25% Chlorella/Spirulina besteht. Desweiteren verkaufe ich eine hochwertige Artemia-Flocke, welche zu ca. 50% aus Artemia Salina besteht. Ein zentrales Thema ist, wie bekomme ich die Proteine in den Fisch? Denn rein pflanzlich tut sich in der Zucht wenig. Weiterhin verfüttere ich ca. 3 mm große Pellets, womit ich bei den etwas größeren Tropheus/ Petrochromis einen sehr guten Sättigungsgrad hervorrufen kann. Ich achte allerdings immer darauf, dass der Proteinanteil im Rahmen bleibt, denn im See findet der Fisch in seinem Nahrungsspektrum einen Proteinanteil von einem mitteleren Wert vor. Der befindet sich im Bereich von 30-40% maximal.

Natürlich füttere ich auch regelmäßig aufgetaute Artemien. Diese weichen Krebstierchen verarbeitet der Tropheus mühelos, im Gegenteil: der Tropheus scheint mir deutlich vitaler und vermehrungsfreudiger zu sein, da dieses Futter deutlich mehr dem natürlichen Nahrungsspektrum entspricht, als irgendwelche käuflichen, synthetischen Futtersorten. Weiterhin verfüttere ich auch Pellets der Firma Hikari (Excel). Dieses hochwertige Futter gab es auch schon Anfang der 90iger Jahre und ist meines Erachtens nach, heute immer noch top. Spitzenklasse ist jedoch nicht der Preis. Dieser ist meiner Meinung nach zu hoch, insofern blieb mir nicht anderes übrig, als meine zwei Pelletsorten selber herstellen zu lassen.

Vitamine: Desweiteren stellt sich die Frage: Sollte ich dem Tropheus Vitamine zuführen? Auch hier wiederum greife ich auf die Erfahrung einiger Tropheus-Züchter zurück. Anfang der 90iger Jahre haben wir schon die Hikari Pellets mit einem flüssigen Vitamin-Konzentrat vitaminisiert. Vitamine sind für den Menschen wichtig, sie bedeuten erhöhte Widerstandskräfte und haben eine vitalisierende Wirkung. Ich halte sogar die Vitaminiserung des Futters für sehr wichtig, da dem Fisch hierdurch Vitaminkomplexe zugeführt werden, welche er in der Natur auch vorfindet. Es ist vom Handling her ziemlich einfach, ich weiche die Pellets ja sowieso in Wasser ein, gebe ein Teelöffel Vitamin-Konzentrat hinzu, rühre mit dem Löffel 4-5 x um. Die Vitamine ziehen in die Pellets ein und gelangen somit in den Darmtrakt des Fisches, wo sie für den Fisch in Energie umgebaut werden können (vereinfacht beschrieben, funktioniert aber). Der von mir bevorzugte Vitamin-Komplex ist selbststverständlich demnächst hier erhältlich. Er wird mit Sicherheit nicht Ihren finanziellen Rahmen sprengen, denn ich bin immer darauf bedacht, Alternativprodukte günstig zu vermarkten.

 

a. Ergebnis

Mit dieser Art der abwechslungreichen Fütterung erziele ich ein Höchstmaß an Effizienz. Der Fisch ist agil, gesund und vermehrt sich meines Erachtens nach sehr gut. Das Futter entspricht annähernd der in der Natur befindlichen Futtersorten, wie oben erwähnt. Ich verzeichne in meiner Anlage kaum Krankheitsfälle, welche ich zu einem hohen Prozentsatz auch auf die Fütterung zurückführe.

 

b. WARNUNG

Liebe Aquarianer, eines ist mir wichtig und zwar darauf hinzuweisen, dass es im Handel erhältliche Futtersorten gibt, welche einen zu hohen Protein- und Fettanteil enthalten. Zusätzlich sind diesem Futter diverse synthetische Karotin-Komplexe beigemischt. Nach dem Motto: Viel hilft viel! Wir kennen diese Produkte vom Bodybuilding... Die Zuführung dieser Protein-Bomben etc. bedeutet für den Fisch eine Bombardierung mit Nährstoffen, die er keineswegs in der Natur vorfindet. Im Gegenteil: Diese Nährstoffe speichert der Fisch bis zu einem gewissen Maße. Aber die Zuführung von zuviel Nährstoffen bedeuten ein Überangebot, welches meiner Meinung nach, für den Fisch ungesund ist. Die Verarbeitung  von Nährstoffen aus der Lebensmittelindustrie der Menschen ist für diese Fische verhängnisvoll. Es gibt Aussagen von Aquarianern, welche schon nach 14 Tagen eine Veränderung ihrer Tropheus feststellen. Ich halte diese Aussagen für eine Katastrophe, denn wie wir es aus der kommerziellen Fischproduktion kennen, rufen diese Überangebote an Nährstoffen Krankheitsbilder hervor, wie Verfettung der Organe etc. Auch hier kann ich mich dem Eindruck nicht erwehren, dass hier skrupellose Geschäftemacher noch nicht einmal vor einem Tropheus halt machen. Schöne Hochglanzinternetseiten tragen ihr Übriges dazu bei, welche den Verbraucher (Aquarianer) dazu verleiten, dieses Futter zu verfüttern. Genug zu diesem Thema.

 

4. Aquariengröße

Zum Thema Aquariengröße wird es nicht so ausführlich, wie zum Thema Futter. Natürlich kann man auch hier feststellen: Je größer, desto besser; denn in einem Aquarium versuchen wir, das natürliche Biotop, den Tanganjikasee, nachzubilden. Die Mindestgröße für ein Tropheus-Aquarium liegt bei ca. 300 Litern, z.B. 120 x 50 x 50. Das ideale Maß für Zuchtgruppen mit ca. 20-25 Tieren liegt bei 150x60x50. Ein Aquarium ist in Relation zum natürlichen Biotop nur eine behelfsmäßige Lösung. Ideal für diese Fische ist ein Aquarium mit den Abmaßungen: 200 x 60 x 60. Dieses Biotop beinhaltet 720 Liter und bietet für eine Gruppe, wie oben erwähnt, optimale Hälterungsbedingungen, aber auch Zwischenmaße vom kleinen bis zum großen Aquarium sind akzeptabel. Wichtig ist natürlich auch eine gute Filterung und ein regelmäßiger Wasserwechsel, welcher bei normaler Fütterung 14-tägig zu 50% erfolgen sollte.

 

5. Sozialverhalten/ Krankheiten

Das Thema Sozialverhalten beinhaltet innerartliches Verhalten als auch das Verhältnis mehrerer Gruppen Tropheus in einem Aquarium. In meiner Anlage pflege ich in jedem Aquarium nur eine Gruppe Tropheus. Die Vergesellschaftung von mehreren Truppen Tropheus in einem Aquarium ist problematisch. Zum einen können Tropheus unterschiedliche Bakterienstämme in sich tragen, zum anderen ist das Agressionspotential bzw. die Durchsetzung der entsprechenden Art problematisch. Im See können natürlich mehrere Arten territorial voneinander unabhängig begrenzt  leben, sich vermehren und ihre Art erhalten. In jedem Fisch befindet sich ein genetischer Plan. Meines Erachtens nach kann man bei Tropheus den Plan auf den einen Faktor herunterbrechen: Arterhaltung; findet man im Tierreich überall, ist nichts Besonderes, aber im Aquarium problematisch. Wenn im Aquarium sich zwei Gruppen Tropheus befinden, versucht die eine Variante die andere zu dominieren. Durch diese Dominanz unterliegt die andere Art in jeglicher Hinsicht. Im Tanganjikasee kann sich jeder Fisch so entfalten, wie er mag. Auch hier kommt es zu Aggressionsverhalten, welches aber durch Fluchtverhalten des unterlegenen Tieres kein Problem darstellt. Ein Aquarium ist ein platzmäßig begrenztes Biotop, wo die Ausweichmöglichkeiten sehr begrenzt sind. Setzt man Jungfische zweier Arten zusammen, so geht es die erste Zeit gut, bis die Tiere eine Halbwüchsigkeit / Geschlechtsreife erreichen. Hier werden die Karten neu gemischt. Man kann davom ausgehen, dass sich eine Art durchsetzen wird. Dies muss nicht immer in Mord und Totschlag enden, sondern kann sich auch in feinen Nuancen bemerkbar machen. So kann man sogar beobachten, dass eine Art schneller am Futter ist und die andere Art das Nachsehen hat. Durch diese permanente Dominanz kann es auch dazu kommen, dass die andere Variante ständig beim Ablaichen gestört wird. Die gestresste Variante nimmt dann auch Farbe weg. Man könnte hier noch mehrere Beispiele anführen, die ähnlich gelagert sind.

Das Ergebnis ist dabei immer dasselbe: STRESS!!!! Durch diesen Stress werden die Fische krank. Sie fühlen sich nicht wohl, werden fressunlustig, auch die Fortpflanzung findet nicht mehr statt. Hier bekommen wir ein typisches Krankheitsbild, welches organischen Ursprungs ist, aber durch Stress ausgelöst. Wenn sich diese Krankheit, wie z. B. Darmflagellaten im Fisch befindet, steckt er hiermit auch die anderen an, ebenfalls die dominante Gruppe im Becken. Man kann natürlich die Krankheit medikamentös bekämpfen ( zu diesem Thema später), die Ursache wird hierbei aber nicht behoben. Insofern gibt es unter Tropheus-Liebhabern zwei Meinungen, die einen sagen: Zwei Gruppen in einem Aquarium kein Problem. Meine Meinung hierzu: Vergesellschaften zweier Gruppen in einem Aquarium, ist von Anfang an ein hausgemachtes Problem, welches man dadurch vermeiden kann, nur eine Gruppe einzusetzen. Begleitfische zu Tropheus gibt es jede Menge, so dass, wenn es dem Aquarianer zu langweilig ist, nur Tropheus zu halten, diese Möglichkeit besteht.

 

a. Gruppengröße

Der Tropheus ist ein polygamer Cichlide (Buntbarsch). Das heißt, ein oder mehrere Männchen werden mit vielen Weibchen vergesellschaftet. Da das Männchen immer versucht sein Erbgut durchzusetzen, balzt er ständig die in der Nähe befindlichen Weibchen an, um mit ihnen abzulaichen. Im See schwimmen dann die laichreifen Weibchen zu den Männchen, laichen mit ihnen ab und schwimmen dann wieder weg. Im Aquarium kann es sein, dass das Männchen die Weibchen jagt und zu Tode hetzt.  Hier kann man natürlich mit einer größeren Weibchenzahl entgegenwirken. Bei einer großen Gruppe Tropheus mit vielen Weibchen ist immer eins dabei, welches ablaichen möchte. Je nach Beckengröße empfehle ich eine Gruppenstärke von mindestens einem Männchen und zehn Weibchen. Also: Viele Weibchen reduzieren auch das Aggressionspotential des Männnchens. Möglich ist, natürlich auch mehrere Männchen zu vielen Weibchen zu setzen. Dies hat mehrere Vorteile, dass Männchen kann sich an seinen Kollegen abreagieren, welche hier als Blitzableiter fungieren. Die Weibchen werden geschont.

Konkret: Eine optimale Gruppe, z. B. 2:12 und 3:15, bzw. 10:20.

Je größer eine Gruppe ist, umso besser verteilen sich die Agressionen.

 




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